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Wie wirtschaftlich ist der Einsatz von Social Collaboration Tools?

Häufig ist in der digitalen Arbeitswelt das folgende Paradox zu beobachten: Über das Internet arbeiten wildfremde Menschen häufig kooperativer zusammen als das innerhalb von Unternehmen der Fall ist. Nehmen wir beispielsweise den Austausch von Quellcode (nicht selten hunderte Zeilen selbstentwickelte Software) unter Softwareentwicklern, die sich gar nicht persönlich kennen. Das Motiv ist häufig ganz einfach: Die Entwickler wollen sich gegenseitig helfen – oder auch später einmal nach dem Motto „eine Hand wäscht die andere“ profitieren. In Unternehmen finden sich in vielen Fällen ganz andere Denkmuster. Informationen werden zurückgehalten, gegenseitige Hilfe findet häufig aus Zeitmangel oder anderen Motiven kaum statt.

Im Rahmen unserer zum zweiten Mal durchgeführten Deutschen Social Collaboration Studie haben wir untersucht, ob der Einsatz von Social Collaboration Tools eine sinnvolle Unterstützung bieten kann, um die Zusammenarbeit von Mitarbeitern in Unternehmen zu verbessern. In diesem Kontext bezeichnet „Social Collaboration“ den Einsatz moderner Technologien, um neue Formen der Zusammenarbeit zu unterstützen bzw. Mitarbeiter besser zur Bewältigung aktueller Aufgaben zu befähigen. Ein Beispiel stellt der Einsatz von Enterprise Social Networks (ESN) dar. Im Rahmen der zweiten Social Collaboration Studie haben wir in Kooperation mit dem Beratungshaus Campana & Schott insgesamt 1005 Mitarbeiter aus verschiedensten Industrien befragt.

Anzahl der Befragten
Tätigkeitsfelder der Befragten
Branchen

 

Die Ergebnisse zeigen grundsätzlich positive Effekte der Investition in Social Collaboration Tools, wie die folgende Zusammenfassung zeigt:

Verbesserung der Unternehmenskultur

Um Aussagen über die Ziele des Einsatzes von Social Collaboration Tools zu erhalten, wurden Mitarbeiter mit Führungsverantwortung zu diesem Thema befragt. Interessanterweise rangiert die Verbesserung der Unternehmenskultur ganz oben auf der Liste der wichtigsten Ziele. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil traditionelle Prioritäten beim IT-Einsatz  wie beispielsweise Kostensenkungen offenbar in den Hintergrund treten.

Ziele von Social Collaboration

Die Studie zeigt zudem einen positiven Zusammenhang zwischen dem Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen und der Nutzung von Enterprise Social Networks. Das heißt, entweder nutzen Mitarbeiter, die sich tendenziell stärker mit dem Unternehmen identifizieren, eher stärker ein ESN – oder die ESN-Nutzung stärkt das Zugehörigkeitsgefühl.

Der Einsatz von Social Collaboration Tools führt zu einer höheren Arbeitseffizienz

In der Studie haben wir verschiedene Szenarien für den Einsatz von Social Collaboration Tools entwickelt und auf dieser Basis den Social Collaboration Reifegrad gemessen. Die Ergebnisse zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen diesem Reifegrad – vereinfacht ausgedrückt: der Intensität der Nutzung von Social Collaboration Tools für verschiedene Aufgabenstellungen – und der Arbeitseffizienz der Mitarbeiter:

Arbeitseffizienz der Mitarbeiter

Ein besonders positiver Zusammenhang existiert für den Einsatz von Enterprise Social Networks.

Social Collaboration Tools erhöhen die Innovationskraft

Die Innovationskraft kann durch den Einsatz dieser Tools und von Enterprise Social Networks insbesondere dadurch erhöht werden, dass die Zusammenarbeit in Teams besser unterstützt wird. Dies erfolgt wiederum dadurch, dass die ESN-Nutzung signifikant positiven Einfluss auf das Metawissen der Mitarbeiter hat. Wenn einer vom anderen weiß, mit welchen Themen er oder sie sich gerade beschäftigt und wer im Unternehmen über welche Spezialkenntnisse, Fähigkeiten und Connections verfügt, lassen sich neue Ideen besser kombinieren und schneller in marktreife Angebote überführen. Das Wissen in Bezug auf die Expertise der Kollegen wird dabei als „Who knows what“ bezeichnet. Die andere Dimension des Metawissens wird „Who knows whom“ genannt und repräsentiert das Wissen der Mitarbeiter in Bezug auf die Verbindungen ihrer Kollegen. Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Nutzungsgrad von Enterprise Social Networks und den beiden genannten Metawissen-Dimensionen.

Die gesamte Studie können Sie unter http://www.collaboration-studie.de/ herunterladen.