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Purpose Led Organizations – mehr als ein neuer Marketing-Hype?

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, wenn Sie im Bereich Innovation oder Digitalisierung einen neuen Begriff hören. Also ich werde mittlerweile in der Regel erst einmal skeptisch. Neulich „belehrte“ mich ein Berater beispielsweise, dass ich das Wort CDO falsch verwenden würde; es ginge nämlich in Wirklichkeit gar nicht um den Chief Digital Officer, sondern viel mehr um den Chief Disruptive Officer. Naja, der Mann wird es sicherlich wissen.

Jetzt zum Thema dieses Posts, der Purpose led Organization. Was steckt dahinter? Der Begriff ist nicht wirklich scharf definiert, aber im Grunde genommen handelt es sich um Organisationen (die sich selbst so bezeichnen), deren Zielsetzung nicht nur darin besteht, Geld zu verdienen, sondern sich auch für soziale, ökologische bzw. nachhaltige Ziele einzusetzen. Es geht auch darum, eine Unternehmenskultur zu etablieren, in der dieser „Purpose“ im Mittelpunkt der Strategien und des Handelns steht. Zudem ist die Purpose led Organization durch die Arbeit der Mitarbeiter in agilen Teams gekennzeichnet, in denen sie Eigenverantwortung tragen – auch für das Budget. Man spricht in diesem Kontext auch von einer Ende-zu-Ende-Verantwortung.

Ein interessantes Beispiel dafür ist „buurtzorg“, ein Modell aus Holland, welches aktuell die ambulante Pflege verändert. Aber auch Unternehmen aus der Softwareindustrie wollen diesen Weg gehen. So sollen beispielsweise die Mitarbeiter des Cloud-Anbieters Salesforce mindestens eine Woche im Jahr für gemeinnützige Organisationen arbeiten. Zudem stellen mehrere Softwareanbieter gemeinnützigen Organisationen zum Teil auch die eigenen Lösungen kostenlos zur Verfügung. Ein anderes Beispiel für eine Maßnahme auf dem Weg zur Purpose led Organization ist die Gestaltung des gesamten Ökosystems eines Unternehmens. Das würde zum Beispiel bedeuten, dass auch Lieferanten und anderer Partner gewisse ethische Mindeststandards erfüllen müssen. Jetzt stellt sich aber natürlich auch die Frage, ob der Wandel zur Purpose led Organization mehr als reines Marketing ist. Seit mehreren Jahren werben Unternehmen ja mit unterschiedlichsten Slogans, die eher an eine Mission zur Verbesserung der Welt erinnern als an Unternehmen, die primär durch die Erwirtschaftung von Gewinnen getrieben sind.

Natürlich gibt es solche Unternehmen, die es mit der Zielsetzung der Purpose led Organization ernst meinen, während andere nur auf einen Trend aufspringen und auf ein besseres Image hoffen. Fatal ist es, wenn sich Organisationen lediglich einen „Purpose led“ -Anstrich geben und ansonsten wenige bis keine konkreten Maßnahmen entwickeln, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Fatal deswegen, weil Mitarbeiter, Partner und die Öffentlichkeit dies früher oder später bemerken werden.

Meiner Meinung nach werden Maßnahmen auf dem Weg zur Purpose led Organization häufig mit Marketing verbunden. Das ist so auch erstmal in Ordnung. Wenn sich nämlich die Zielsetzung, etwas „Gutes für die Welt zu tun“, mit Marketing und sogar Employer Branding gut in Einklang bringen lässt, dann ist das doch grundsätzlich eine gute Sache und wir dürfen gespannt sein, ob und inwieweit dieser Ansatz die Arbeitswelt verändern wird. Eine interessante Umfrage von EY zu diesem Thema finden Sie unter diesem Link. Eine – etwas selbstzentrierte – Übersicht über Purpose led Organizations bietet das Londoner Beratungshaus Radley Yeldar unter diesem Link.

Was denken Sie? Ist die Purpose led Organization mehr als geschicktes Marketing und Employer Branding? Lohnt es sich für die Unternehmen und wird das Konzept die Arbeitswelt verändern? Ich bin gespannt auf Ihre Einschätzung!

 

 

 

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