EntrepreneurshipTU Darmstadt

„Failure – OK. Just start again“

Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, aber auch von ganzen Volkswirtschaften hängt maßgeblich von ihrer Innovationsfähigkeit ab. Wie Hochschulen in Kooperation mit Unternehmen Innovationen und auch Gründungen unterstützen können, war das Thema des zweiten Startup & Innovation Day des Innovations- und Gründungszentrums HIGHEST der TU Darmstadt. Dass das Thema hoch aktuell ist, ist bekannt, aber dass insgesamt ca. 800 Gäste unserer Einladung gefolgt sind, hat mich sehr gefreut. Einen Bericht zum Event finden Sie hier.

Highlight des Abends war die Keynote unseres „Stargasts“ Dan Shechtman, Nobelpreisträger für Chemie von der israelischen Eliteuniversität TECHNION. Dabei sprach er nicht von „Quasikristallen“ – dem Thema, für den er den Nobelpreis für Chemie erhielt. Vielmehr zeigte er auf, was Universitäten, aber auch Unternehmen und die Politik tun können, um Unternehmertum und Innovation voranzubringen:

1. In den meisten Fällen sind es Ingenieure, Informatiker oder Naturwissenschaftler, die Innovationen treiben. Werden innovative Ideen mit unternehmerischem Denken verbunden, können daraus erfolgreiche Ausgründungen entstehen. Das bekannteste Beispiel ist hier natürlich das Silicon Valley mit der berühmten Stanford University, die dort eine zentrale Rolle für Innovationen und Gründungen spielt. Das liegt auch daran, dass dort die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen intensiver ist als bei uns in Deutschland. Das enorme Innovationspotenzial der Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und der Informatik erlebe ich auch täglich an der TU Darmstadt. Ich würde den Ausführungen von Dan Shechtman lediglich hinzufügen, dass aus eigenen Erfahrungen die Ergänzung von Kompetenzen aus den Bereichen BWL, Marketing, Vertrieb und Recht in aller Regel hilfreich und notwendig ist. Manchmal entwickeln wir in Deutschland zu sehr aus einer reinen Ingenieurperspektive heraus unter Vernachlässigung von Kundenwünschen und deren Zahlungsbereitschaften. Die Innovationskraft deutscher Ingenieurstudenten zeigten beispielsweise kürzlich Studenten der TU München, die einen von Elon Musk ausgerufenen Wettbewerb gewannen. Die Challenge von Musk war der Bau einer Transportkapsel, die Menschen innerhalb einer halben Stunde von San Francisco nach Los Angeles bringt. Dabei gelang es dem Studententeam, die schnellste Kapsel zu bauen. Vielleicht ein bisschen bezeichnend, dass es einem deutschen Team am besten gelungen ist, die Idee umzusetzen. Die Vision kam jedoch von jemand anderem.
2. Vor genau diesem Hintergrund macht es sehr viel Sinn, die Themen Entrepreneurship und Innovation auch für Studierende aus der Informatik, den Ingenieur- und Naturwissenschaften (also nicht nur für BWL-Studenten) zu unterrichten. Viele Studien zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen der Vermittlung von Wissen im Bereich Entrepreneurship und der Neigung und Fähigkeit von Studierenden, Unternehmen zu gründen. Diesen Weg gehen wir gerade auch mit der Lehr-Initiative unseres Innovations- und Gründungszentrums HIGHEST. Dan Shechtman hat als einer der ersten hiermit bereits 1987 in Israel begonnen. Auch einer der vielen Gründe für den Erfolg der Startup-Nation Israel.
3. Der geringe Anteil von Frauen in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik führt für Deutschland zu einem Wettbewerbsnachteil. Nicht nur in Israel, sondern in vielen anderen Ländern weltweit ist der Anteil an weiblichen Studierenden in den Ingenieurwissenschaften oder der Informatik deutlich höher als in Deutschland. Dies wird zwangsläufig zu einer niedrigeren Innovations- und Gründerquote in Deutschland führen.
4. Zudem fehlt in Deutschland eine Kultur des Scheiterns. Führt eine Gründung nicht zum Erfolg, wird das sowohl in vielen Unternehmen bei einer Bewerbung, aber auch oft in der Familie als Versagen angesehen. In vielen asiatischen Ländern ist das noch viel schlimmer. Die These von Dan Shechtman lautet: Aus einem unternehmerischen Scheitern lernt man sehr viel. Beispielsweise benötigt man für Dinge, die beim ersten Mal mehrere Monate dauerten, beim nächsten Mal häufig nur noch wenige Wochen.
5. Hinzufügen könnte man noch, dass das gemeinsame Lernen von Studierenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen ein Erfolgsfaktor für Innovationen und Gründungen sein kann. Beispielsweise könnten Studierende aus den Ingenieurwissenschaften, der Informatik und der Rechts- bzw. den Wirtschaftswissenschaften im Rahmen von Seminaren, Case-Studies oder anderen Lehrveranstaltungen zusammenarbeiten. Klar ist, dass sich die Fähigkeiten dieser Studierendengruppen sehr gut ergänzen könnten, was letztlich eine wichtige Grundlage für die Entstehung von Innovationen sein kann, die in einem nächsten Schritt zu einer Gründung führen können.
6. Ein weiterer Punkt ist sicherlich die Überwindung von Hindernissen. Davon können nicht nur erfolgreiche Gründer, sondern auch Top-Wissenschaftler wie Dan Shechtman ein Lied singen. Als Shechtman vor seiner Tätigkeit am TECHNION in den USA arbeitete, sagte ihm der damalige Leiter seiner Forschungsgruppe „Es gibt keine Quasikristalle, nur Quasiwissenschaftler“ und empfahl ihm, die Gruppe zu verlassen, um sie nicht zu blamieren.

Neben all der ansteckenden Leidenschaft, die die Gründer und Erfinder an diesem Abend mitbrachten, bleiben im Nachgang nicht zuletzt vielleicht auch die Worte von Dan Shechtman im Kopf „Failure is OK. Just start again“. Das ist zwar nicht ganz neu, klingt aber aus dem Mund eines charismatischen und sehr sympathischen Nobelpreisträgers richtig überzeugend.